Traum & Schattenarbeit

HBW · Version 1.40 · 17.10.2025 · Lesedauer: 45–70 Minuten

Kompass – Wozu Traum & Schattenarbeit?

Träume sind Simulationen: das Gehirn „testet“ Vorhersagen (Prädiktive Verarbeitung).
Schattenarbeit bedeutet, freundlich zu den Anteilen zu schauen, die wir abwehren – um sie zu integrieren.
Das Ergebnis ist weniger unbewusstes Reagieren, mehr Freiheit.

Traumerinnern trainieren

  1. Abend‑Intent: „Ich erinnere mich an meine Träume.“ Stift/Heft bereit; Handy in den Flugmodus.
  2. Aufwachen: Augen geschlossen lassen; Szene rekapitulieren; sofort Stichworte notieren.
  3. Titel & Gefühl: Überschrift, die den Kern trifft; 1–3 Leitgefühle (z. B. Enge, Sog, Wärme).

Auswertungs‑Protokoll (4 Ebenen)

  1. Erlebnis: Körper (Brust, Bauch, Hände), Affekt, Impuls („gezogen/gedrückt“, „festgehalten“).
  2. Beziehung: Wer/was? Dynamik (Nähe/Distanz, Schutz/Macht)?
  3. Biografie: Welche Erinnerungen/Episoden klingen an?
  4. Symbolik: Orte/Elemente/Archetypen – deine Bedeutung zählt.

Schattenarbeit – 5 Schritte

  1. Containment: Erst Regulieren (Boden spüren, Atmung, Blick weiten).
    Siehe Atmung & Kohaerenz.
  2. Dialog: Figur/Gefühl sprechen lassen (6–10 Zeilen „ich ↔ Figur“). Frage: „Was willst du für mich?“
  3. Übersetzen: Wofür steht es (Schutz, Grenze, Wut, Trauer, Bedürfnis)?
  4. Integration: Eine kleine Alltags‑Handlung (Telefonat, Nein, 10 Min. Ruhe, Spaziergang).
  5. Ritual: Kerze/Wasser/Gang – Haltung verankern.

Albtraum‑Re‑Script (IMRS – kurz & wirksam)

  1. Tagsüber die Szene kurz neu schreiben (sicherer Verlauf, hilfreiche Figur/Skill).
  2. 3–5× lesen; dann schlafen.
  3. Am Morgen notieren: Was war anders? Körper‑Feedback?

Luzides Träumen – bewusst & achtsam

  • Reality‑Checks (Hände, Text, Uhr) – aber nicht zwanghaft.
  • Weckfenster nach 5–6 Std.; kurz aufstehen, notieren, sanft zurück.
  • Ethik/Sicherheit: Keine „Kontrollphantasien“ bei instabilen Zuständen.

Häufige Motive → Deutungshilfen

  • Verfolgung/Bedrohung: Grenze/Bewahrung; Frage: Wo sage ich nicht „Nein“?
  • Festgehalten/Erstarrt: Schutz vs. Handlungsfähigkeit; winzige Handlungen planen.
  • Prüfung/Versagen: Leistung/Genügen; Metta für das Bewertungs‑Selbst.
  • Wasser/Flut: Affektwellen; Pendulation und Ressourcenaufbau.

Zwei Fallbeispiele (kompakt)

Fall 1 – „Sog im Hangar“

Motiv: Dunkle Kapseln, Sog, Festhalten. Arbeit: 1) Containment (Boden/Atmung). 2) Dialog mit „dem Dunklen“:
„Was willst du für mich?“ → Schutz/Prüfung. 3) Integration: Eine reale Grenze setzen (kleine Handlung). 4) Ritual: kurzes Stehen am Fenster, Blick in die Weite.

Fall 2 – „Prüfung ohne Ende“

Motiv: Wiederkehrende Testsituationen. Arbeit: 1) Erlaubnis, nicht zu bestehen (Metta). 2) Identifizieren, wem ich etwas beweisen will.
3) Integration: „Unperfektes“ Tun (absichtlich unperfektes kleines Werk). 4) Wochenreview: Was passierte ohne Dauertest?

Integration in den Tag

  • Morgens 3 Sätze: „Was nehme ich mit?“ → eine Handlung definieren (klein!).
  • Abends 2‑Minuten‑Rückblick: „Welche Figur tauchte heute auf?“
  • Wöchentliche Mini‑Review: Muster, Fortschritt, „Was half?“

Sicherheit

  • Bei Trauma/PTBS, Psychosen, schweren Depressionen: nicht allein vertiefen; Begleitung suchen.
  • Bei Panik/Dissoziation: Stop, Regulieren, Umgebung benennen, trinken, Kontakt aufnehmen.

Forschung/Bezüge

FAQ

  • Wie oft arbeiten? 2–4×/Woche 20–30 Min.; bei Albträumen kurz & regelmäßig Re‑Script.
  • Was, wenn nichts kommt? Eine Woche nur Erinnern trainieren; sehr kurze Notizen sind okay.
  • Und wenn es überwältigt? Dosis runter, Ressourcen, Begleitung; Inhalte müssen nicht „gelöst“ werden.