Kompass – Wozu Traum & Schattenarbeit?
Träume sind Simulationen: das Gehirn „testet“ Vorhersagen (Prädiktive Verarbeitung).
Schattenarbeit bedeutet, freundlich zu den Anteilen zu schauen, die wir abwehren – um sie zu integrieren.
Das Ergebnis ist weniger unbewusstes Reagieren, mehr Freiheit.
Traumerinnern trainieren
- Abend‑Intent: „Ich erinnere mich an meine Träume.“ Stift/Heft bereit; Handy in den Flugmodus.
- Aufwachen: Augen geschlossen lassen; Szene rekapitulieren; sofort Stichworte notieren.
- Titel & Gefühl: Überschrift, die den Kern trifft; 1–3 Leitgefühle (z. B. Enge, Sog, Wärme).
Auswertungs‑Protokoll (4 Ebenen)
- Erlebnis: Körper (Brust, Bauch, Hände), Affekt, Impuls („gezogen/gedrückt“, „festgehalten“).
- Beziehung: Wer/was? Dynamik (Nähe/Distanz, Schutz/Macht)?
- Biografie: Welche Erinnerungen/Episoden klingen an?
- Symbolik: Orte/Elemente/Archetypen – deine Bedeutung zählt.
Schattenarbeit – 5 Schritte
- Containment: Erst Regulieren (Boden spüren, Atmung, Blick weiten).
Siehe Atmung & Kohaerenz. - Dialog: Figur/Gefühl sprechen lassen (6–10 Zeilen „ich ↔ Figur“). Frage: „Was willst du für mich?“
- Übersetzen: Wofür steht es (Schutz, Grenze, Wut, Trauer, Bedürfnis)?
- Integration: Eine kleine Alltags‑Handlung (Telefonat, Nein, 10 Min. Ruhe, Spaziergang).
- Ritual: Kerze/Wasser/Gang – Haltung verankern.
Albtraum‑Re‑Script (IMRS – kurz & wirksam)
- Tagsüber die Szene kurz neu schreiben (sicherer Verlauf, hilfreiche Figur/Skill).
- 3–5× lesen; dann schlafen.
- Am Morgen notieren: Was war anders? Körper‑Feedback?
Luzides Träumen – bewusst & achtsam
- Reality‑Checks (Hände, Text, Uhr) – aber nicht zwanghaft.
- Weckfenster nach 5–6 Std.; kurz aufstehen, notieren, sanft zurück.
- Ethik/Sicherheit: Keine „Kontrollphantasien“ bei instabilen Zuständen.
Häufige Motive → Deutungshilfen
- Verfolgung/Bedrohung: Grenze/Bewahrung; Frage: Wo sage ich nicht „Nein“?
- Festgehalten/Erstarrt: Schutz vs. Handlungsfähigkeit; winzige Handlungen planen.
- Prüfung/Versagen: Leistung/Genügen; Metta für das Bewertungs‑Selbst.
- Wasser/Flut: Affektwellen; Pendulation und Ressourcenaufbau.
Zwei Fallbeispiele (kompakt)
Fall 1 – „Sog im Hangar“
Motiv: Dunkle Kapseln, Sog, Festhalten. Arbeit: 1) Containment (Boden/Atmung). 2) Dialog mit „dem Dunklen“:
„Was willst du für mich?“ → Schutz/Prüfung. 3) Integration: Eine reale Grenze setzen (kleine Handlung). 4) Ritual: kurzes Stehen am Fenster, Blick in die Weite.
Fall 2 – „Prüfung ohne Ende“
Motiv: Wiederkehrende Testsituationen. Arbeit: 1) Erlaubnis, nicht zu bestehen (Metta). 2) Identifizieren, wem ich etwas beweisen will.
3) Integration: „Unperfektes“ Tun (absichtlich unperfektes kleines Werk). 4) Wochenreview: Was passierte ohne Dauertest?
Integration in den Tag
- Morgens 3 Sätze: „Was nehme ich mit?“ → eine Handlung definieren (klein!).
- Abends 2‑Minuten‑Rückblick: „Welche Figur tauchte heute auf?“
- Wöchentliche Mini‑Review: Muster, Fortschritt, „Was half?“
Sicherheit
- Bei Trauma/PTBS, Psychosen, schweren Depressionen: nicht allein vertiefen; Begleitung suchen.
- Bei Panik/Dissoziation: Stop, Regulieren, Umgebung benennen, trinken, Kontakt aufnehmen.
Forschung/Bezüge
- Prädiktive Verarbeitung & Träume: Hypothesen‑„Tests“ im Schlaf; Gewichtung von Vorhersagefehlern.
[Review], [klar erklärt] - DMN im Schlaf verändert; Grenzen weicher. [Meditation]
FAQ
- Wie oft arbeiten? 2–4×/Woche 20–30 Min.; bei Albträumen kurz & regelmäßig Re‑Script.
- Was, wenn nichts kommt? Eine Woche nur Erinnern trainieren; sehr kurze Notizen sind okay.
- Und wenn es überwältigt? Dosis runter, Ressourcen, Begleitung; Inhalte müssen nicht „gelöst“ werden.